Brauchtum der Hexenzunft Villingen

Man schrieb das Jahr 1969. Eine kleine der Villinger Fasnet wohlgesinnte Gruppe saß im damaligen Fischerstüble in der Südstadt. Zusammen stellten sie Überlegungen an, wie man die Villinger Fasnet bereichern könnte.

Man war sich sofort im Klaren darüber, dass diese Aufgabe nur gelöst werden kann, wenn man sich mit Häs und Scheme der Villinger Fasnet und ihrer Tradition anpasst. Es musste eine Figur gewählt werden, die aus irgendwelchen Gründen mit dieser Stadt in Verbindung zu bringen ist.

Bei dem Gedanke eine Hexenzunft zu gründen, wusste man noch nicht, was der ehrwürdige Albert Fischer (seines Zeichen ehemaliger Zunftmeister der historischen Narrozunft Villingen) festgeschrieben hatte. In einem Buch schrieb er, dass bereits in den Jahren um 1880 die Hexen und Wuescht, die mit Besen und Ofengabeln bewaffnet waren, von der Obrigkeit verboten wurden. Man wusste aber, dass die Hexen (ihres Zeichens Kräuterweiber) mit dem damaligen Namen „Hagazusa“ auch im Umfeld Villingens oder direkt in Villingen gelebt haben. Da diese Einzelgängerinnen waren und schon zu ihrer Zeit Heil- und Giftmittel entwickelt hatten, waren sie von einem gewissen mystischen Flair umgeben. Aufgrund dieser Tatsachen  beschloss man eine Hexenzunft ins Leben zu rufen, auch wenn sie von der schwäbisch alemannischen Fastnacht nicht erwünscht war.

Schnell war man sich einig, dass eine Stadthexe nicht in Lumpen gekleidet umherziehen kann. Ganz klar war auch, dass die Schemen nach alter Schnitzkunst, handgefertigt und mit Ölfarbe bemalt oder gefasst werden sollen. Großen Wert legte man auf die glatte Oberfläche der runzligen, warzigen oder mit Furchen durchzogen Fratzen. Man weiß nicht genau, ob die Farben rot und grün von den Grenadieren abgekupfert wurden, oder ob diese einfach so in das Gedankengut der damaligen Gründer einfloss.

Die größten Verdienste der damaligen Zeit gehen an das Gründungsmitglieder Karl Bösinger, seines Zeichen Schemenschnitzer. Auch nach seinem Tod ist der Schnitzer sehr geschätzt. Er schnitzte das erste Unikat der Villinger Hexenscheme in kurzer Zeit.

Die 9 Gründungsmitglieder  hatten ihren ersten Auftritt mit 7 Hexen im Jahre 1970. Rasch wurden es mehr und man konnte schon im Jahre 1972 in die Schwarzwälder Narrenvereinigung, der wir bis heute angehören, eintreten.

Die Straßenfasnet wuchs und 1973 wagte man sich an eine Saalfastnacht, die zum damaligen Zeitpunkt im Rössle in Pfaffenweiler stattfand. Peter Kirchner war es, der 1976 den ersten Ball in die alte Tonhalle nach Villingen brachte. Er war der Meinung, dass eine Hexenzunft Villingen, die im Volksmund auch Südstadthexen genannt wurden, eine Saalfastnet, wenn überhaupt, nur in der Tonhalle abhalten sollte.

Ebenso suchte man schon früh den Schulterschluss zur Narrozunft Villingen. Mit dem damaligen Zunftmeister Christian Huonker fand man einen Befürworter, die Hexenzunft auf den richtigen Weg der Villinger Fasnet zu bringen und den zweifelhaften Ruf, den man sich in den ersten Jahren eingehandelt hatte, abzulegen. Seiner Unterstützung verdankt die Hexenzunft Villingen, das peu á peu Heranwachsen zu einem Verein. Von heutiger Größe und heutigem Ansehen konnteman damals nur träumen. Selbstverständlich ist dies auch dem Fleiß und dem Engagement, der über die Jahrzehnte amtierenden Zunftmeister und treuen Helfer zu verdanken. Selbige sind unten chronologisch zu erwähnen.

Heute umfasst die Hexenzunft Villingen ca. 1.200 Mitglieder. Sie vertritt mit ihren Veranstaltungen und Auftritten die Villinger Fasnet im alt-ehrwürdigen Glauben. Die Höhepunkte neben der Straßenfastnacht, mit der sie Villingen schon weit über ihre Grenzen hinaus bekannt gemacht hat, sind der Hexenball sowie die am Dreikönigstag stattfindende Hexentaufe. Nicht zu vergessen ihre eigene Show, die am Schmutzige Dunnschtig um 10 Uhr im Landratsamt Villingen geboten wird.

Wir weisen ausdrücklich darauf hin, dass die Hexenverbrennungen und -verfolgungen nichts mit unserer Fasnet zu tun haben und wir selbige auch verurteilen. Sollte dies trotzdem zum Anlass genommen werden, eine Show oder sonstiges darzubieten, darf dies nicht überbewertet werden.

 

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